Partizipative Kunst- und Ausstellungsarbeit (Co-Creation)
Unsere Ausstellung "Ein Teil von Mir, Ein Teil von Dir!" dient als Beispiel für Projekte, die ähnliche Ziele haben. Das Projekt soll zeigen, welche positiven Effekte Kunstausstellungen in der Gesellschaft haben, wenn sie partizipativ gestaltet werden.
Sichtbarkeit & Dialog Dieser Ansatz in der Arbeit mit jungen Erwachsenen versteht Kunst nicht als rein individuelles Produkt, sondern als einen gemeinsamen, kollaborativen Prozess. Das primäre Ziel einer solchen Ausstellung ist es, jungen Erwachsenen mit Migrations- und Fluchtgeschichte im städtischen Raum – wie hier in Düsseldorf – nachhaltige Sichtbarkeit zu verschaffen. Die Ausstellung ist dabei kein starres Vorzeigen von Einzelwerken, sondern ein interaktives Dialogformat. Es geht darum, den Düsseldorfer Bürger:innen die vielfältigen Lebensrealitäten von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte interaktiv nahezubringen und einen echten Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Die Kunstausstellung wird somit zu einem gemeinsamen Projekt aller Beteiligten.
Zielgruppenansprache: Niedrigschwellige Akquise über Social Media
Um die jungen Erwachsenen zu erreichen und für das Projekt zu finden, hat sich die Nutzung von sozialen Medien als zentraler Anknüpfungspunkt erwiesen. Die Praxis zeigt, dass ein ansprechendes Design allein oft nicht ausreicht; das Schalten von zielgerichteter Werbung (Ads) ist entscheidend, damit Beiträge besser gestreut und genau den Menschen angezeigt werden, die sich für das Thema interessieren. Dabei hat sich ein spannender Effekt gezeigt: Beitragstexte werden häufig intensiver gelesen als die reine Bildbeschreibung.
Die digitale Akquise ist jedoch keine Einbahnstraße, sondern basiert auf einer Kombination aus Reichweite und persönlicher Beziehungsarbeit:
Gezieltes Scouting & Direktansprache: Neben der klassischen Werbung geht das Team aktiv auf potenzielle Teilnehmende zu. Durch die Recherche auf Instagram werden gezielt junge Kunstschaffende ausfindig gemacht, die ihre Werke bereits online präsentieren, und direkt per Nachricht angefragt.
Der Übergang zur Mundpropaganda: Ein gut funktionierendes Social-Media-Konzept schwappt schnell in die reale Welt über. Überzeugte Teilnehmende schlagen das Projekt im eigenen Bekanntenkreis vor und bringen Freund:innen mit. So wird aus einem digitalen Erstkontakt echte, organische Mundpropaganda.
Barrierefreie Kommunikation: Der Erstkontakt läuft bewusst unkompliziert direkt über Instagram-Nachrichten statt über formelle E-Mails. Es werden zentrale, leicht erreichbare Treffpunkte vereinbart. E-Mail Kontakt wird aber mit angegeben
Offenheit für alle: Es meldet sich eine diverse Gruppe – von jungen Erwachsenen, die bereits künstlerisch arbeiten, bis hin zu junge Erwachsene, die in dieser Richtung noch keine Erfahrung haben, aber im Projekt unterstützt werden möchten.
Hier der Beitrag auf den Soziale Medien, damit Sie sich ein Bild machen können.
Hier ist die erste Seite des Instagram Posts.
Da wir keine reale Kunst hatten, haben wir uns für ein Stock-Foto entschieden.
Hier wurde bei dem nächsten Bild kurz und knapp die Voraussetzungen geteilt.
Hier die wurden Möglichkeiten erklärt, welche Formate im Rahmen der Ausstellung eingereicht oder erstellt werden können
Ein einen weitere Bild wurde den kurz die Argumente aufgestellt, die die potenziellen teilnehmenden überzeugen sollen, wieso sie mitmachen sollten
Hier wurde die Möglichkeit per E-Mail oder Instagram anzuschreiben angeboten und auch die Unterstützung von XChange bei der Umsetzung
Wieso haben wir Beitragsbilder generiert?
Häufig haben wir die Erfahrung gemacht, dass Texte, die direkt auf den Beitragsbildern platziert sind, mehr gelesen werden als die eigentliche Bildbeschreibung darunter. In den letzten 2,5 Jahren hat sich diese Methode sehr gut bewährt und dabei geholfen, mehr Menschen zu erreichen. Neben dem passenden Design ist es auch entscheidend, Werbung zu schalten. Die Werbeanzeigen haben dabei geholfen, dass der Beitrag besser gestreut und interessierten Personen angezeigt wurde.
Abbau von Barrieren: Ressourcen- und Prozessgerechtigkeit
Ein wesentlicher Kern des Ansatzes war es, allen Teilnehmenden die gleichen Chancen zu bieten. Beim ersten Treffen wurde transparent vereinbart, dass alle benötigten Materialien für die Exponate vom Projekt gestellt werden konnten, gepaart mit dem Appell, umsichtig damit umzugehen. Barrierefreiheit bedeutete hier aber mehr als nur Material:
Kreative Begleitung: Teilnehmende ohne Vorerfahrung wurden Schritt für Schritt bei der Erstellung ihres Kunstwerks begleitet.
Technische Unterstützung: Wer keine eigene Kamera besaß oder sich nicht selbst fotografieren konnte, wurde von der Projektleitung durch das Erstellen von Fotografien unterstützt, damit die eigene Vision umgesetzt werden konnte.
Förderung von Gemeinschaft:
Kollaborative Kunst am Beispiel „Flickenteppich“ Die Gemeinschaft unter den jungen Erwachsenen wurde gestärkt, indem neben den Einzelwerken auch ein gemeinsames Kunstwerk geschaffen wurde. Bei regelmäßigen Gruppentreffen wurde durch Spiele das Eis gebrochen, es wurden kritische Aspekte ausgetauscht und der gesamte kreative Prozess miteinander geteilt. Ein starkes Praxisbeispiel hierfür war das Gestalten eines gemeinsamen Flickenteppichs, der die Teilnehmenden untereinander vernetzte und Verständnis füreinander schaffte:
Biografische Bezüge: Die Teilnehmenden brachten eigene Stoffstücke mit, die ihnen wichtig waren und symbolisch für ihre individuelle Migrations- oder Fluchtgeschichte standen.
Gemeinsamer Prozess: Im kollektiven Arbeiten entschied die Gruppe gemeinsam, wie der Teppich angebracht werden sollte und was er darstellen sollte. Das Zerschneiden von Stoffen, um daraus etwas Neues zu weben, spiegelte den gemeinsamen Prozess wider – Kunst verlor das rein Individuelle und wurde zum Gemeinschaftswerk.
Hier ist der Flickenteppich, der die kollaborative Arbeit zeigt. சிறகை விரிக்க சிறு துண்டுகளாய் Wir erscheinen als Bruchstücke, damit wir unsere Flügel ausbreiten können Der Flickenteppich entstand in enger Zusammenarbeit mit den Künstler:innen der Ausstellung. Mittels einer speziellen Webtechnik wurden die einzelnen Fragmente zu einem großen Teppich zusammengefügt. Die verarbeiteten Materialien tragen persönliche Geschichten in sich: Es sind Stoffe, die den Beteiligten viel bedeuten und aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt stammen, darunter Pakistan, Kurdistan, Südkorea, Sri Lanka, die Türkei und Deutschland. Im Zentrum des Projekts stand nicht das isolierte Einzelwerk, sondern das kollektive Schaffen. Der Teppich symbolisiert, dass wir uns gegenseitig ergänzen und bereichern, gerade wegen unserer Unterschiede. Ein herzlicher Dank gilt der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die uns die Räumlichkeiten und den Workshop ermöglicht hat.
Ausstellungstext
Nutzung externer Netzwerke: Kooperation mit Kulturinstitutionen
Für den Erfolg und die Professionalität in der Arbeit mit jungen Erwachsenen waren externe Kooperationspartner von enormer Bedeutung. Sie boten den nötigen Raum, die Infrastruktur und die nötige Öffentlichkeit im städtischen Raum:
Die Stadtbüchereien Düsseldorf (Zentralbibliothek): Als stark frequentierter, zentraler Ausstellungsort im Herzen der Stadt garantierten die kommunalen Partner, dass die Kunstwerke eine breite Öffentlichkeit erreichten und der gesellschaftliche Dialog mit den Bürger:innen tatsächlich stattfinden konnte. Wir empfehlen, Orte zu wählen, die niedrigschwellig, gut erreichbar und kostenlos für die Besucher:innen sind, damit gewährleistet wird, dass viele Menschen diese Ausstellung sehen.
Die Kunstsammlung NRW (K20): Durch einen maßgeschneiderten Workshop und eine Führung im K20 erhielten die Teilnehmenden Einblicke, wie andere Künstler:innen Migrations- und Fluchtgeschichten oder Stoffe in ihren Werken verarbeiteten. Die Nutzung der professionellen Museumsräume, der Materialien und die Unterstützung durch die Workshopleitung hoben das Projekt auf ein neues Niveau.
Weitere Kunstwerke & die Künstler:innen
Selbstbildnis mit Çay
Öl auf Leinwand 2026 Can Arslan
Was bedeutet es, seinen Platz zwischen Tradition und eigener Identität zu finden?
Oft ist es das Gefühl, sich dazwischen zu bewegen. Geprägt von dem, was weitergegeben wurde und gleichzeitig auf der Suche nach dem, was einen selbst ausmacht. Das Bild verbindet ein Selbstporträt mit einem ornamentalen Rahmen, der an einen Kilim erinnert. Die Figur bleibt nicht innerhalb dieser Ordnung, sondern verschiebt sie leicht. Ein Arm tritt über den Rand hinaus, als würde das Bild seine eigene Grenze infrage stellen. Der Çay steht im Zentrum einer ruhigen Handlung. Kein klares Symbol, eher eine Geste, ein Moment. Was bleibt, ist ein Zustand dazwischen.
Can Arslan ist 25 Jahre alt und beschäftigt sich mit seiner Identität. In seiner Kunst möchte Dualitäten und das Coexistieren von eigenen Zugehörigkeuiten verarbeiten.
Childhood & Raised +
Fotografien 2022 Anista Mangala Arulruban
Die Arbeiten setzt sich mit Künstlicher Intelligenz und digitaler Wahrnehmung auseinander und legt rassistische Strukturen innerhalb algorithmischer Systeme offen. Digitale Technologien erscheinen hier nicht als neutrale Werkzeuge, sondern als Fortsetzung historischer Machtverhältnisse. Ausgangspunkt der Arbeit sind frühe, biografisch geprägte Erfahrungen von Diskriminierung, die sich in digitalen Systemen fortschreiben. Standardisierte KI-Systeme wie die Gesichtserkennung benachteiligen Menschen mit dunkler Hautpigmentierung strukturell und reproduzieren bestehende Ungleichheiten.
Durch das Einpudern des Gesichts mit Mehl wird die eigene dunkle Haut temporär in eine helle Haut überführt. Diese performative Geste irritiert die Logik der Gesichtserkennung und macht sichtbar, unter welchen Bedingungen Anerkennung und Sichtbarkeit im digitalen Raum entstehen. Die Arbeit versteht sich als kritischer Eingriff in eine Technologie, die zunehmend über Teilhabe, Ausschluss und gesellschaftliche Gleichberechtigung entscheidet.
Die “Kına Gecesi” – die Henna-Nacht, bei der traditionell alle weiblichen Familienmitglieder vor den Hochzeitsfeierlichkeiten zusammenkommen, um die zukünftige Braut des gemeinsamen Haushalts zu verabschieden. Dabei wird Henna unter den Frauen verteilt, es wird unter Tränen, Gelächter und Versprechungen gemeinsam gesungen und gegessen. Die Komposition dieses Werkes ist inspiriert.
Das Werk zeigt eine nachbarschaftliche Frauenrunde beim traditionellen Altın Günü. Zwischen Tee, Kaffee und gedecktem Tisch zirkulieren Goldmünzen und Schmuckstücke als Zeichen von Vorsorge und gegenseitiger Unterstützung. Dramatisch von einer einzigen Deckenlampe beleuchtet, sitzen die älteren Frauen in traditionell-dörflicher Kleidung wie an einem Casino-Tisch; sie rauchen, scherzen und setzen Gold wie Spielchips oder Wertanlagen an der Börse ein. Humorvoll und zugleich symbolisch macht die Szene sichtbar, dass oft im Verborgenen weibliche Netzwerke, auch über verschiedenste Kulturen hinweg, Solidarität, Fürsorge und die Investition in das Gegenüber aktiv praktizieren und zusammenfassen. Innerhalb der Szene sehen wir eine ältere Frau, vielleicht die Tante oder Großmutter der jungen Gastgeberin, die Gold anbietet und durch diesen Brauch eine durch Tradition entstandene Strategie der finanziellen Freiheit weiterführt.
Schachtisch (Holz), 3D-Druck (Resin/Kunststoff), Glas (Spiegel), Acrylfarbe, eventuell bei der 2. Ausstellung: Metall (Schwerter-Requisiten). 2026
Alinda Kayahan
„Der nächste Zug“ ist eine interaktive Installation zu Migration, Rassismus und Identität. Ein Schachtisch mit organischen, 3D-gedruckten Figuren bricht das starre Schwarz-Weiß-Schema auf. Eine Skeletthand hält ein Schwert, ein Symbol für den Kampf und die Zerbrechlichkeit von Grenzen. Über dem Tisch hängt ein Spiegel, der die Betrachter zwingt, ihr Spiegelbild durch „blutige Grenzen“ hindurchzusehen. Das Werk stellt die Frage nach der eigenen Rolle im System und fordert zur Reflexion über gelernte Feindbilder und den nächsten eigenen Schritt auf.
Ich bin Alinda, Gen Z, und nähere mich der Kunst aus einer tief soziologischen Perspektive. Als Künstlerin analysiere ich gesellschaftliche Konstrukte, um diese in dystopische Mixed-Media-Installationen zu übersetzen. Meine Kunst fungiert als roher, konzeptioneller Spiegel unserer Realität. Ich mache Kunst, weil ich Systeme demaskieren und nicht nur abbilden will. Ich möchte provozieren, an allen Sinnen rütteln und die Betrachtenden zwingen, gesellschaftliche Normen und sich selbst kompromisslos zu hinterfragen
Alinda
Reflektierendes Schreiben ist für mich eine Möglichkeit, Erfahrungen zu verarbeiten, Zusammenhänge zu verstehen und Kraft zu schöpfen. In meinen Texten verbinde ich persönliche Erlebnisse mit gesellschaftlichen Fragen und teile sie mit der queeren BIPoC Community. Schreiben wird so für mich zu einem Ort der Erinnerung, der “Heilung” und der Verbundenheit mit mir selbst und mit anderen, die ähnliche Erfahrungen machen.
Fahed Kalaji (28) ist eine nicht-binäre, queere PoC der ersten Generation aus Syrien mit Fluchterfahrungen. Neben dem Schreiben und dem Studium leitet Fahed den Queer BIPoC Space in Köln.
Das Bild repräsentiert meine Heimat Pakistan. Die verschiedenen Elemente in diesem Werk zeigen, wie ich sie mit meiner Identität in Verbindung setze. Die Inspirationen für dieses Bild entstanden aus den Fotos, die beim letzten Familienurlaub im Jahr 2024 aufgenommen wurden. Die Süße der Mango, die meine Mutter mit eigener Hand für uns schneidet. Eine Tasse Chai, welche die Wärme des Landes widerspiegelt. Eine Surma-Flasche, die die Schönheit des Landes repräsentiert. Meine Schwestern und ich als Kinder auf einer Rikscha mit der Aufschrift „Punjab“ auf Urdu, um unsere weite Heimat noch einmal neu zu entdecken.
Die Badshahi-Moschee, die jene Ruhe und jenen Seelenfrieden ausstrahlt, den wir fühlen, wenn wir vor Ort sind. Ein Khussa (traditioneller Schuh), der uns durch die Straßen trägt. Ein weiterer Teller mit geschnittenen Mangos, die nirgendwo besser schmecken als in unserer Heimat. Eine Hand mit frisch gepflückten Mirabellen, die in vielen Gärten wachsen und die Wärme brauchen, um zu gedeihen. Und schließlich ich selbst als Selbstporträt: Ich sehne mich jeden Tag nach all diesen Dingen, während ich von meiner Familie in der Ferne getrennt bin. Das Bild verkörpert die Vorfreude und die Sehnsucht auf die nächste Reise in meine Heimat.
Mein Name is Rabiya Ahmad, ich bin 22 Jahre alt und studieren Linguistik. Meine Kunst handelt meistens von Menschen oder meinen Gefühlen, da ich als Künstlerin mehr auf Portraits fokussiert bin. Kunst mache ich als Hobby und um bestimme Gedanken oder Erfahrungen verbildlichen zu können.
Rabiya Ahmad
„Unsichtbare Linien“
Fotografien 2026 Eliza Kokeyan Foto: Makileny Vijayakumar
Fotos entstanden im Teppischladen „Zommorodi“ Heinrich-Heine-Allee 33 | 40213 Düsseldorf
In meinem Projekt erforsche ich die vielschichtige Beziehung zu meinem Herkunftsland – nicht nur dem geografischen Ort meiner Geburt, sondern auch der historischen Heimat meiner Vorfahren. Es ist eine emotionale Spurensuche, getragen von einer tiefen Sehnsucht nach Orten, die ich war und solchen, die ich nie betreten habe, aber dennoch in mir trage. Diese Orte leben in mir weiter – in Farben, die nach Kindheit schmecken, in Gerüchen, in Früchten, deren Geschmack Geschichten erzählt. Es sind Erinnerungen, die nicht nur visuell, sondern sinnlich sind – ein inneres Archiv aus Bildern, Klängen und Empfindungen. Als Migrantin in Deutschland ist meine Identität von einer unsichtbaren Linie durchzogen – eine Verbindung zwischen Hier und Dort, zwischen Jetzt und Damals. Diese Linie zieht sich durch mein Leben, manchmal leise, manchmal laut, und erinnert mich daran, dass Heimat mehr ist als ein Ort. Sie ist Gefühl, Geschichte, Sehnsucht. Mit diesem Projekt möchte ich diese inneren Landschaften sichtbar machen – durch assoziative Bilder, Farben, Materialien und Klänge, die meine persönliche Geschichte erzählen, aber auch universelle Fragen nach Zugehörigkeit, Erinnerung und Identität berühren.
Eliza Kokeyen
அப்பம்மா Appamma
Acryl auf Leinwand 2026 Keshi Wimalan
Dieses Bild widme ich meiner அப்பம்மா [Oma]. Es ist das Erste, was ich sehe, wenn ich das Tor zu ihrem Zuhause öffne und sehe, wie sie dort sitzt und auf uns wartet.
Es ist die Ruhe in diesem Vorgarten, die Freude, die ich verspüre, wenn ich sie wiedersehen kann. Es ist aber auch die Trauer, die man spürt, wenn man sieht, dass sie älter wird und wir irgendwie so wenig voneinander hatten. Und noch mehr ist es die Trauer, zu wissen, dass sie viel Zeit ihres Lebens dort ohne Familie sitzt. Drei von vier Söhnen hat sie durch den Krieg verloren. Und der Einzige, der das Glück und das Privileg hat, zu sehen, wie sie älter wird, ist mein Vater. Es ist mein Wunsch, dass sie nie vergessen wird. Eine Frau, auf die ich stolz bin und die mir immer wieder zeigt, dass es starke Frauen in unserer Familie gibt. Heute ist sie über 90 Jahre alt und lebt in Trincomalee und sitzt wahrscheinlich an derselben Stelle und wartet auf die vielen Freunde, die sie besuchen kommen, und weiß nicht, dass wir hier in Deutschland sie auch sehen.
Acryl und Blattgold auf Carrom Board (Holz) (Spiel aus Indien, wird in Südasien häufig gespielt) Keshi Wimalan
Auf der Reise zu sich selbst sind es oft die Identitäten der Menschen, die vor uns gelebt haben, die uns Halt und Orientierung geben. Zugleich sind sie aber auch der Ausgangspunkt, von dem wir uns lösen müssen, um unsere eigene Identität zu finden. Wichtig ist, dass auf dieser Reise nichts verloren geht.
Alles, was war, bleibt ein Teil des Ganzen und begleitet uns auf unserem Weg. Denn die Suche nach sich selbst bedeutet nicht, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen, sondern sie in etwas Neues und Eigenes zu verwandeln. Und egal, wie weit mich diese Reise auch führen wird: Die Feuerlilie – கார்த்திகைப்பூ (Kārttikaippū) – werde ich als Symbol der eelam-tamilischen Identität immer bei mir tragen.
Wenn ich meine Mutter nach Mengenangaben frage, bekomme ich nie eine richtige Antwort; für sie ist Kochen ein Gefühl. Meiner Mutter ist es wichtig, dass das Essen so schmeckt wie in Afrîn. In Deutschland sieht alles schön aus: Es glänzt, ist optimiert und gut zur Schau gestellt, aber es kommt nicht so direkt aus der Natur wie in unserer Heimat. Nach jedem Essen sagt sie, wie wichtig es ihr ist, dass das Heimatgefühl an uns vorbeizieht. Und wenn meine Eltern gemeinsam in der Küche stehen, geht es nicht um banale Alltagsdinge; es ist eine Lebensphilosophie, die sie gemeinsam erleben. Denn Essen bedeutet, für einen kurzen Moment zu vergessen, dass wir woanders sind. Der Geruch von Zuhause zieht durch unsere Wohnung und bis in den Flur unserer Nachbarn. Nur ein gut gekochtes Gericht kann einen ganzen Tisch zum Strahlen bringen. Das Kochen mit meiner Mutter ist das letzte Stück Heimat, das ich noch in mir trage. Unser Zuhause kann zerstört werden, unsere Bäume abgeholzt, wir können entwurzelt und vertrieben werden – aber unsere Erinnerungen können uns nicht genommen werden. Wir geben euch ein Stück Afrin mit. Lasst es euch schmecken – oder kommt einfach vorbei.
Über Migrant*innen, asiatische Frauen und über uns wird viel erzählt. Man sagt uns, wer wir sein sollen. Aber habt ihr jemals richtig zugehört, was wir selbst zu sagen haben?
Ich lade Euch ein, meine unsichtbare Stimme zu lesen – die Antwort auf die Kommentare, mit denen ich täglich konfrontiert werde.
Nutzt das UV-Licht und führt es über die Fotografie.
Mein Name ist이현지 (Hyeonji Lee) und ich bin 30 Jahre alt. Ich arbeite im Kommunikationsbereich bei einem Software-Unternehmen. Außerdem gehe ich gerne ins Theater und lese Bücher. Mein Kunstwerk ist ein Kunstwerk für mich, das ich brauchte. Lange habe ich nach einem Kunstwerk gesucht, worin ich mich gesehen und verstanden gefühlt habe. Aber ich habe so etwas natürlich nicht gefunden, weil jede*r eigene Erfahrungen und eine eigene Stimme hat. Deswegen habe ich das für mich kreiert und hoffe vielleicht, dass sich jemand ähnlich wie ich gesehen fühlt. Ehrlich gesagt, sehe ich mich nicht als eine Künstlerin. Dank dieser besonderer Gelegenheit habe ich einen künstlerischen Weg gefunden, meine Gedanken, Erfahrungen, und Gefühle auszudrücken. Dadurch habe ich gelernt, wie ich mich trauen kann, kreativ zu sein, ohne eine Künstlerin zu sein.
Hyeonji Lee
Wurzeln
Fotografien und Gemälde2024-2026 Vera Morina
Kosovë – ein Land im Herzen Europas. Atemberaubende Berge. Glitzernde Seen. Volle Städte. Weite Wälder. Moderne Architektur trifft auf atemberaubende Natur. Glänzende Fassaden. Schicke Cafés. Tradition und Wandel im Dialog. Herzliche Menschen. Visionen. Ambition. Kultur. Eleganz. Potenzial. Talente. Entwicklung. Diese Arbeiten sind eine Einladung, Kosovë und Albanien durch meine Perspektive zu entdecken; als Kind der Diaspora, als Studentin, als Migrakind. Geprägt von meinen Wurzeln, gesehen durch meine Augen. Kommt mit.
Ich bin als Referendarin (Lehrerin) in der Schule tätig. Ich würde meine Kunst als bunt, kreativ und vielfältig beschreiben. Mit meinen Werken möchte ich Perspektiven eröffnen, den Blick auf unterschiedliche Themen lenken und Dinge sichtbar machen, die im Alltag oft übersehen werden. Ich würde mich selbst als positive, kreative und ausdrucksstarke Künstlerin bezeichnen. Ich mache Kunst, weil sie mir Freude bereitet und mir die Möglichkeit gibt, etwas Eigenes zu erschaffen. Beim Malen komme ich zur Ruhe und kann Gefühle, Gedanken und Ideen ausdrücken. Gleichzeitig möchte ich mit meinen Werken Menschen berühren, zum Nachdenken anregen oder ihnen einfach einen besonderen Moment schenken.
Vera Morina (29)
„Ornament der Tradition“
30×30 cm / Gouache, Aquarell, Tinte auf Passepartout Feyza Özdogan
Tezhip begleitet mich seit vielen Jahren und ist für mich mehr als eine traditionelle Kunstform. Das Wort Tezhip bedeutet „Vergolden“ und genau dieses Gold macht die Kunst so besonders. Ursprünglich wurden mit ihr die Seiten des Korans geschmückt. Über Jahrhunderte hinweg haben Künstlerinnen und Künstler Motive, Techniken und Wissen mit großer Disziplin an ihre Schüler weitergegeben. In meinem Werk verbinde ich verschiedene traditionelle Motive und Stile mit meiner eigenen Handschrift. Jeder Pinselstrich steht für Geduld, Ordnung und die Suche nach Harmonie. Gleichzeitig zeigt das Werk meinen persönlichen Blick auf eine Kunst, die bis heute weiterlebt und sich immer neu entfalten kann. Für mich bedeutet Tradition nicht Stillstand. Sie trägt Erinnerungen in sich und gibt gleichzeitig Raum für Neues. Mit diesem Werk möchte ich zeigen, wie eine jahrhundertealte Kunst auch heute noch eine eigene Stimme finden kann.
mixed media – Acryl auf Leinwand und Acryl auf Bambus Papier – 2026
Nora Venuja Sivalingam
„Galerie“
mixed media – Acryl auf Leinwand und Acryl auf Bambus Papier – 2026
Nora Venuja Sivalingam
Feedback von Teilnehmenden
Die Ausstellung hat mir eine Stimme gegeben, die ich selber kreieren konnte, und einen Raum geschenkt, in dem ich mich über meine Erfahrungen als Migrantin und Rassismus äußern konnte. Dass die Ausstellung in einem öffentlichen Raum in der Gesellschaft stattfindet, zeigt mir, dass ich auch einen Platz hier habe. Meine am nächsten stehende Person hat mir gesagt, dass ich durch das Mitmachen mein Spark wiedergefunden habe. Vielen Dank, Makileny, Renas und XChange Düsseldorf!
Hyeonji Lee
Feedback der Besucher:innen
Persönliches Feedback zur Ausstellung „Ein Teil von Mir, Ein Teil von Dir!“
Die Ausstellung zu Düsseldorfer Migrationsgeschichten und Fluchterfahrungen hat mich tief beeindruckt. Besonders eindrucksvoll war die Vielfalt der Ausdrucksformen: Kunstwerke, Gedichte, Fotografien, Texte und interaktive Elemente, die gemeinsam ein vielschichtiges Bild davon zeichnen, was Herkunft, Ankommen und Identität bedeuten können. Jede Präsentation wirkte authentisch und persönlich, nichts war oberflächlich oder dekorativ, alles hatte Gewicht.
Die jungen Künstler:innen im Alter von 16 bis 34 Jahren haben ihre Perspektiven mit einer bemerkenswerten Offenheit geteilt. Man spürt, wie intensiv sie an ihren Beiträgen gearbeitet haben und wie wichtig es ihnen ist, ihre Stimmen sichtbar zu machen. Die Ausstellung ist nicht nur ein Ort des Zeigens, sondern ein Ort des Empowerments, der Selbstbestimmung und des Dialogs.
Die Atmosphäre der Vernissage war lebendig und warm. Die Räume waren voll, die Aufmerksamkeit groß, und die Stimmung durchweg positiv. Besonders die Poetry-Slam und Gedichtbeiträge der fünf Teilnehmenden haben mich bewegt. Sie gaben den Geschichten eine unmittelbare, emotionale Präsenz, die man nicht einfach vergisst. Das Publikum hat das spürbar aufgenommen, es gab viel Resonanz, viele Gespräche, viel Anerkennung.
Der Flickenteppich – ein starkes Symbol
Das gemeinsame Kunstwerk, der Flickenteppich in Kooperation mit der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, hat für mich einen besonderen Eindruck hinterlassen. Er steht für Vielfalt, Zusammenhalt und Verbindung und zeigt, wie unterschiedlichste Lebenswege zu einem gemeinsamen Bild werden können. Ein schönes, kollektives Symbol für eine inklusive Gesellschaft.
Ein Raum für Begegnung
Was die Ausstellung für mich besonders wertvoll macht: Sie schafft einen Ort, an dem migrantische Perspektiven nicht nur gezeigt, sondern anerkannt werden. Ein Raum, der Begegnung ermöglicht, Verständnis fördert und deutlich macht, dass diese Geschichten ein selbstverständlicher Teil Düsseldorfs sind.
Für mich war der Besuch inspirierend, berührend und bereichernd. Ich bin dankbar, dass dieses Projekt jungen Menschen eine Plattform gibt, ihre Erfahrungen künstlerisch und selbstbestimmt zu teilen.