Workshop & Argumentationstraining
Wieso sind diese Formate wichtig und wie können diese Formate aufgebaut werden
Vorbereitung von Teilnehmenden auf Podiumsdiskussionen
(Workshop- und Argumentationstrainingsformat)
In diesem Format werden Teilnehmende, die in der Regel keine Expert:innen sind, gezielt auf Podiumsdiskussionen vorbereitet. Ziel ist es, ihnen fachliches Wissen, argumentative Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Im Rahmen der Workshops werden aktuelle politische Debatten sowie zentrale Begriffe, Definitionen und Konzepte zum jeweiligen Oberthema inhaltlich aufgearbeitet. Ergänzend dazu kommen praktische Übungen zum Einsatz. Diese ermöglichen es, den Wissensstand der Teilnehmenden einzuschätzen und Bedarfe für weitere Unterstützung oder Nachsteuerung zu erkennen.
Zielgruppe dieses Formats waren junge Erwachsene im Alter von 17 bis 25 Jahren mit Migrations- und/oder Fluchterfahrungen.
Ein zentraler Bestandteil der Workshops ist die Selbstreflexion. Daher ist es wichtig, bei allen Übungen ausreichend Zeit für Reflexion einzuplanen. Aus der Praxis hat sich gezeigt, dass die Workshops etwa einen Monat im Voraus angekündigt und bevorzugt am Wochenende durchgeführt werden sollten, da viele junge Menschen dann besser Zeit finden.
Auf die Workshops folgten Argumentationstrainings, die gezielt auf die Podiumsdiskussionen vorbereiteten. Die Teilnehmenden lernten, eigene Positionen klar zu formulieren und souverän auf kritische oder herausfordernde Fragen zu reagieren. Diese Trainings stärkten nachhaltig das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden, was sich auch während der Podiumsdiskussionen deutlich zeigte.
1. Klare Zielsetzung des Formats
Bevor Workshops und Argumentationstrainings konzipiert werden, ist eine klare Zieldefinition entscheidend.
Ziele der Workshops und Podiumsdiskussionen:
- Empowerment junger Menschen
- Politische Bildung
- Förderung gesellschaftlicher und politischer Teilhabe
- Sichtbarmachung marginalisierter Perspektiven
- Austausch und Dialog auf Augenhöhe
2. Zielgruppe
Bei der Planung sollte klar definiert werden:
- Handelt es sich um Jugendliche oder junge Erwachsene?
- Haben die Teilnehmenden einen akademischen Hintergrund oder nicht?
- Gehören sie zu marginalisierten Gruppen?
- Gibt es Teilnahmevoraussetzungen (z. B. Schulbesuch, Wohnort, Alter)?
Eine transparente Definition hilft bei der Ansprache und der inhaltlichen Ausrichtung der Workshops.
3. Ablauf und Struktur
Vorbereitung
Eine frühzeitige Terminplanung ist essenziell, um geeignete Räumlichkeiten zu finden und eine gute Teilnahmequote zu erreichen. Zwar nehmen junge Menschen teilweise auch spontan teil, dennoch zeigte sich, dass vorausschauende Planung zu deutlich höherer Beteiligung führte.
Die Veranstaltungen sollten ausreichend beworben werden, z. B. über:
- Newsletter
- Social Media
- Flyer und Plakate
- gezielte E-Mail-Verteiler
Bei gemischten Gruppen ist eine vielfältige Ansprache besonders wichtig. Wochenendtermine haben sich als besonders geeignet erwiesen.
Workshops
Die Inhalte sollten abwechslungsreich gestaltet sein. Reiner Frontalunterricht ist wenig zielführend. Bewährt hat sich eine Kombination aus:
- kurzen Input- und Informationsblöcken
- praktischen Übungen
- persönlichen Anekdoten der Workshopleitung
- ausreichend Raum für eigene Erfahrungen und Erlebnisse der Teilnehmenden
Dies trägt wesentlich dazu bei, Vertrauen innerhalb der Gruppe aufzubauen und einen offenen Austausch zu ermöglichen.
Argumentationstraining
Im Argumentationstraining liegt der Fokus auf Empowerment und Aktivierung. Die Teilnehmenden sollen motiviert werden, ihre Positionen zu vertreten und aktiv zu üben.
Besonders hilfreich waren:
- Gruppenübungen
- Tandem-Übungen
- praktische Anwendung gelernter Argumentationsstrategien
So konnten theoretische Inhalte direkt in die Praxis übertragen werden.
Podiumsdiskussion
Zur Vorbereitung gehört auch eine gezielte Auseinandersetzung mit der Podiumssituation:
- Wie viele Zuschauende werden erwartet?
- Welche Fragen könnten gestellt werden?
- Welche Rolle übernimmt die Moderation?
- Kann die Moderation bei Bedarf eingreifen?
Zudem sollte frühzeitig geklärt werden, ob die Moderation von Teilnehmenden selbst oder von der Projekt- bzw. Workshopleitung übernommen wird.
Nachbereitung und Reflexion
Nach der Podiumsdiskussion ist eine gemeinsame Reflexion wichtig. Diese kann in einem Nachbereitungstreffen oder in Form eines Austauschs stattfinden und hilft dabei, Erlebnisse einzuordnen und Lernerfahrungen zu sichern.
4. Methoden und Materialien
Bewährte Methoden
- Gruppenarbeit:
Ermöglichte Austausch in geschütztem Rahmen und stellte sicher, dass alle Teilnehmenden zu Wort kommen. - Rollenspiele:
Halfen dabei, eigene Positionen zu hinterfragen und komplexe oder konflikthafte Themen spielerisch zu bearbeiten. - Diskussionen:
Förderten offenen Dialog und stärkten die Fähigkeit, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.
Materialien
- Präsentationen und schriftliche Inputs
- Ausleihbare Bücher zur vertiefenden Auseinandersetzung mit den Themen
5. Herausforderungen und Learnings
Eine der größten Herausforderungen war die Teilnehmendenakquise, insbesondere zu Beginn des Projekts. Da sensible Themen wie gesellschaftliche Teilhabe und Rassismus behandelt wurden, bestand anfangs wenig Vertrauen.
Es wurde deutlich, dass Workshops nicht nur der Wissensvermittlung dienen, sondern auch Vertrauensarbeit leisten müssen. Daher ist ein sensibler, transparenter und wertschätzender Umgang zentral.
Weitere Learnings:
- Die Gruppengröße sollte überschaubar bleiben.
- Vier bis fünf Stunden pro Workshoptag haben sich bewährt.
- Für Podiumsdiskussionen sollten maximal fünf Teilnehmende eingeplant werden, damit alle ausreichend Redezeit haben.
- Bei größeren Gruppen ist Transparenz wichtig, wenn nicht alle an der Podiumsdiskussion teilnehmen können.
- Bei mehreren geplanten Podiumsdiskussionen können Teilnehmende zu weiteren Formaten eingeladen werden.
6. Nachhaltigkeit und Wirkung
Die Workshops und Argumentationstrainings haben junge Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen nachhaltig empowered. Viele nahmen zum ersten Mal an einem politischen Bildungsformat teil und konnten sich erstmals aktiv auf eine öffentliche Diskussion vorbereiten.
Das Feedback der Teilnehmenden zeigte:
- ein tieferes Verständnis für politische und gesellschaftliche Themen
- mehr Selbstbewusstsein
- bessere argumentative Fähigkeiten
- strukturierteres Denken